An die Redaktion:

Der Brief von Prof. Gerhard L. Weinberg (18.Juni) ist eine beredte Widerlegung von Robert Johns Recherchen zum Hitler-Zitat „Wer erinnert sich heute an die Armeniervernichtung?“ Da diejenigen, die die Echtheit der Quelle in Frage gestellt haben, sich jedoch weitgehend auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen verlassen haben, sie zurückzuhalten, sind weitere Kommentare und Unterlagen gerechtfertigt.

Die Staatsanwaltschaft bezog sich auf L-3 (wo sich die Hitler-Referenz befindet), zog sie jedoch zurück, weil (1) sie feststellte, dass Hitler an diesem Tag, Aug. 22, 1939, und nahm an, dass L-3 eine Verschmelzung war, und (2) sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Journalist Louis Lochner (der das Dokument dem Tribunal übergab) waren sich seiner Herkunft nicht bewusst (bei seiner Vernehmung gab Lochner nur bekannt, dass Hermann Maass, ein ehemaliger Jugendführer, es ihm auf Ersuchen von Ludwig Beck, dem Führer des deutschen Widerstands, gegeben hatte).

Wie Professor Weinberg betont, hat die Forschung die folgende Übertragungskette etabliert: Wilhelm Canaris zu Hans Oster zu Ludwig Beck zu Hermann Maass zu Louis Lochner zur britischen Botschaft in Berlin. Innerhalb von drei Tagen nach der Lieferung von Hitlers Rede, ein Abriss davon war nach London weitergeleitet worden.

Aber als das Tribunal in Nürnberg tagte, ja noch vor Kriegsende, waren Canaris, Oster, Beck und Maass alle hingerichtet worden. Kein Wunder, dass die Staatsanwaltschaft die tatsächliche Lieferung von L-3 an den Vermittler durch die Person, die die Notizen gemacht hat, in keiner Weise hätte überprüfen können. Zweifel, dass L-3 verschönert worden sein könnte, scheinen von der Skepsis der Staatsanwaltschaft aufgrund unzureichender Informationen auszugehen.

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